24 Stunden aus der Sicht eines Schnorchlers auf Tauchsafari.

Funk|report | Reiseberichte

01 -- Wangenkneifer.

Sep 29 2003 — Ich sitze im Flugzeug nach Marsā ‛Alam, dem neuen Hoffnungsträger Ägyptens. Auf halbem Weg zum Sudan, mitten aus der Wüste herausgestampft, entstehen hier Hotels nebst eigenem Flughafen. Der Flughafen ist bereits in Betrieb. Für den Bau der meisten noch geplanten Hotels schieben die Bulldozer den Sand noch hin und her.  Dem schmerzverzerrten Gesicht Hurdaqas wäre nur schwer rosige Hoffnung auf die Wangen zu zaubern. Die geschundene Unterwasserwelt muss sich dringend vom Tauchtourismus und den fatalen Spätfolgen des Massentourismus erholen. Die ansässige Tourismusbranche hat auf den gesteigerten Bedarf unter anderem mit Landgewinnung reagiert. So wurden auch billigend rücksichtslos die Hausriffe unter dem Vorhaben beerdigt. Die dadurch streunenden Sedimente erledigten den Rest der schmutzigen Geschäftstüchtigkeit. Von grassierendem Zivilisationsmüll gar nicht zu sprechen.

Es bleibt zu hoffen, Ägypten denkt um und der Umzug nach Marsā ‛Alam ist nicht einfach nur ein neuer Sandkasten, den man für die Devisen öffnet, sondern hat gelernt und Marsā ‛Alam wird nicht das neue Hurdaqa als Wunderwaffe.

Ein paar Massnahmen greifen. So wurden mancherorts schon Ankerbojen installiert, um den Beschädigungen an Riffen Einhalt zu gebieten. Schutzzonen und Schutzparks wurden um verschiedene Tauchgebiete erweitert, in denen der Tauchtourismus reglementiert werden soll oder auch schon wird. Das Dolphin Reef ist eines der Beispiele dafür: beliebt gerade beim Pauschaltourismus ohne Tauchschein lockt das Angebot zum besonderen Erlebnis: Schwimmen mit Delphinen. Wer hat nicht schon mal davon geträumt. Auch ich war schon dort. Nicht nur die zahllosen lautstarken An- und Abfahrten durchschneiden die Magie dieses besonderen Ortes und beeinträchtigen die Harmonie dieser Tiere, vielmehr trampelt man ihnen zusätzlich auch noch durch die eigenen Schlafplätze und Kinderstuben.

Zwangsurlaub auch dort. Nach rosigen Wangen sucht man bei mir auch vergeblich.

02 -- Zwangsurlaub vom Urlaub.

Schon frühzeitig als Tauchurlaub gebucht, entpuppt es sich nun als Mogelpackung. Naja, zumindest für mich. Mein Körper lässt sich zu einer Tauchtauglichkeit partout nicht überreden. So hab ich meinen Hightechatemregler, meinen funkgesteuerten Supertauchcomputer und mein Black Coral-Wingjacket gegen einen Schnorchel ohne Ausblasventil eingetauscht. Dieser gehört zur Vollständigkeit der ABC-Ausrüstung und dient beim Tauchen nur dem Ausharren an der Wasseroberfläche, bis man dem Tauchboot wieder aufgenommen wird. Mit meinem Wingjacket wäre ich aber mit oder ohne Schnorchel an der Wasseroberfläche sowieso ersoffen. 

Einzig meine Geräteflossen im Gepäck zeugen noch von meiner eigentlichen Gesinnung. Schnorcheln wollte ich nie. Wodurch sich auch das fehlende Ausblasventil erklären liesse. Selbstredend, warum man – wie in meinem Fall - nicht zum Schnorchler geboren wird.

Zwangsurlaub vom Urlaub. Das soll mir mal jemand nachmachen. Mein Lungenvolumen von knapp 8 Litern fühlt sich verschaukelt.

Das eine oder andere ausgeschöpfte Freigepäckkontingent der Fotografen dankt ob meines freigewordenen Sportausrüstungsfreigepäckkontingents von 30 Kilogramm, das sie sich freudig einfach so unter den Nagel reissen. Extra dafür haben sie uns gemeinsam als Gruppe eingecheckt. Eine Schnorchelausrüstung wiegt ja auch kaum. Clever. So unterstütze ich indirekt auch noch das Tauchervolk. Hätte wohl mein Softblei einpacken sollen, oh Wunder. Parallel dazu hätten sich auch die Sicherheitsbeamten beim Scan die Zähne ausgebissen. Sie reissen es sich einfach mir nichts, dir nichts unter den Nagel. Von gelebter Dankbarkeit oder Mitgefühl keine Spur.

Zweifellos keine Basis für eine harmonievolle Koexistenz. Der Grundstein ist gelegt. The race is on.

Sie wissen es nur noch nicht.

03 -- Naja.

Auch dieses Mal haben wir die Blue Planet im Vollcharter mit unserer Lieblingsbesatzung. Allen voran Turtle, dem wichtigsten Mann in der Küche und Ashraf aka Blei first, dem wichtigsten Mann am Tauchdeck, um die Taucher kontrolliert ins Wasser zu bringen und mit "Blei first" auch wieder heraus. Ihm obliegt auch die Befüllung der Tauchflaschen.

Die Begrüssung war so freundlich. Die Wiedersehensfreude überlagert die Trauer um die attestierte Tauchuntauglichkeit. Obwohl die Crew Woche um Woche mit neuen und anderen Tauchgästen zu tun haben, erinnern sie sich fast exklusiv an uns. Das Prozedere, bei dem die Taucher gegen Vorlage der Tauchtauglichkeit und des Logbuches in Listen aufgenommen werden, schmerzt. Ich trage es mit gekünstelt verhaltener Fassung.

Dieses Jahr war bereits reich an Reisen. Ich war häufiger auf Reisen, als ich zuhause war. Entspannung zwischen den Geschäftsreisen schadet nicht, dachte ich. Was passieren kann, wenn man mich allein in einem Auto über eine sinntflutartiggeflutete Insel unter dem Vorwand der Mandelblüte schickt, weiss ja mittlerweile jeder oder kann es sich denken. Und flugs ist die Entspannung zum Teufel.

Chronologisch ein paar Wochen zurück wäre ich vergangenen Samstag von einer USA-Geschäftsreise zurück, die ich am Montag 22. zuvor angetreten hätte, nachdem wir am Sonntag 21. die am 13. eröffnete Ausstellung Ver-kettungen im Alten Gefängnis abgebaut haben hätten. Allein bei der Aufzählung liess mein Arzt die Augen rollen. Wobei ich ihm noch gar nicht erzählt hatte, dass ich mich zeitgleich noch mit einem meiner Fotos bei einem Fotowettbewerb beworben hatte, und ausserdem noch beabsichtigte, …

Naja, hätte mein Lungenvolumen ja auch nicht rehabilitiert. Es hätte ja nur zusätzlich auch noch kontraproduktiv den ADHS-Verdacht meines Arztes befeuert. Zudem ich wie seine Grossmutter Radio höre und dazu ganz selbstverständlich stricke. Ich kann zudem noch zeitgleich fernsehen. Dieses Detail halte ich vorsichtshalber zurück.

04 -- Jazz und Bohnerwachs.

Im August waren wir ein paar Tage in der Czech Rep bei tschechischer Kost zu tschechischen Preisen und tschechischen Hotelzimmereinrichtungen und dem Geruch von Bohnerwachs. Ich mag diese fremden Eindrücke fern ab des vermeintlich vollklimatisierten Wohlbehagens. Bohnerwachs riecht überall gleich.

Eigentlich war es als ein Ausflug an den Moldaustausee geplant, der sich uns jedoch so mitten in den Ferien nicht von seiner zurückhaltendsten Seite präsentieren durfte. So ging es also weiter nach Krumlov. Wir buchten uns im alten Kloster mit Blick über die Moldau ein, liessen uns treiben und genossen die Zeit.

Leder riecht überall gleich. Frauen wissen das. Dann biegt auch noch mein ausgeprägtes Interesse für Kunst und Musik um die Ecke. Tschechischen Künstlern und Tschechische, Jazz galt nun meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Eine Neigung zu Jazz bringt einem im Bekanntenkreis nicht unbedingt Jubel entgegen. Auch mein Musikgeschmack ist vice versa beschränkt. Umgekehrt nämlich gibt es eben natürlich auch Musikrichtungen, die einen bekennenden Jazzliebhaber wie mich, nicht unbedingt in Ekstase verzücken. Dieser Umstand macht doppelt einsam. 

Auch Schnorcheln macht einsam. Mir wird immer bewusster, dass meine Anlagen zweifelsfrei nicht unbedingt auf Geselligkeit ausgerichtet sind.

Damit ich nicht auch noch an Bord der Blue Planet total vereinsame, versuche ich die weiteren 3 Frauen für einen Töpferkurs zu gewinnen. Vielleicht können wir ja auch den Einhand-Pfeifffff-Kurs für Anfänger fortsetzen, der sich schon zur Tradition ausgeprägt hat. Wenn auch ohne nennenswertem Erfolg.

05 -- Die Söhne des Pharaos.

30 Sep 2003 \ 19:15 — Die Begrüssung auf der Blue Planet war sooooo herzlich. Und dann heute die ersten Tauchgänge. Ich bin allein unter Tauchern und gebe mich entspannt unbeeindruckt. Eine der Charaktereigenschaften, die man als Schnorchler auf einem Tauchsafariboot unbedingt mitbringen sollte, will man nicht unter die Geräteflossen euphorisierter und endorphingeschwängerter Taucher geraten.

Das mit der sozialen Randgruppe kenne ich nur zu gut, schon seit meiner Zeit als Jugendlicher als Lackschuhträgerin unter China-Indien-Samtschuhschlappenträgerinnen. - Die Welt damals war sehr alternativ eingestellt. - Gehört dazu wurde bevorzugt Joan Baez. Alles Dinge, die ich aus meinem konservativen Umfeld nicht kannte. Später dann war ich Matratzenfliegerin, wie die Paraglider abfällig von den Drachenfliegern genannt wurden. Noch später dann die Kluft zwischen Skifahrern und Snowboardern. Nur in der Zeit in der Grundschule, als zwischen den Gehas und Pelikans sortiert wurde, gehörte ich zur sozialen Hauptgruppe. Tja, die Zeiten ändern sich.

Nun bin ich Schnorchler inmitten Tauchern. Manche von ihnen fotografieren auch. Dazu gibt es auch noch die passenden Unterwassermodels, ausser sie fotografieren Makro. Alles in allem aber Taucher, mag der gemeine Schnorchler meinen. Die Fotografen unter den Tauchern an Bord erkennt man - wenn sie nicht sowieso grade an der Ausrüstung schrauben - leicht daran, dass sie Schwebeteilchen zählen. Die Models haben extra Modeltauchermasken und bevorzugt farblich attraktive Neoprens. (Ich persönlich mag Modelpics nicht so viel abgewinnen, interessiert nur niemanden.) Dann haben wir noch den Dive Instructor, um den man nicht rumkommt. Und den Rest der Taucher.

Ich werde sie alle noch unter diesen besonderen Bedingungen genauer kennenlernen.

Wen wundert es. Mich nicht. Abends schleiche ich meistens zu den Jungs am Bug zu Musik, Tanz und einer Dose Pfirsich. Nur die wenigsten der Crew können sich trotz ihrer äusserlichen Ähnlichkeit in ihren Muttersprachen durchgängig verständigen. Der Stummste unter ihnen, ein Nubia, drückt den Stolz seiner Abstammung mit der Anmut eines schwarzen Pharaos im Tanz. Er spricht nicht. Es würde ihn ja doch niemand, wirklich niemand, verstehen.

Nach meinen Ausflügen schleiche ich mich zurück zum Heck, wo meistens die meisten Taucher nun bereits schlafen.

Tauchen macht müde.

06 — No divers no cry.

Eben ist eine Truppe zum Nachttauchgang raus. Nachdem heute einer der 13 Taucher wegen Dekotraumaverdachts zu einem Taucher konvertiert, verdoppelt sich unerwartet die Gruppenstärke der Schnorchler.

Wir verstehen uns auf Anhieb.

Sein Körper weist verdächtige Spuren auf. Er war schon einmal vor einiger Zeit in der selben Situation und möchte diesmal einfach nichts mehr riskieren. Das Hinterhältige an Dekotrauma ist, dass der Körper die Sättigung speichert und speichert und es auch bei scheinbar korrekt eingehaltenen Tauchprofilen überschnappen kann. Ein Fall für einen Spezialisten.

Jo also, der neue Schnorchler, und ich überlegen, ob wir nicht Nachtnacktschnorcheln zur Königsdisziplin erheben sollten. Im Lautsprecher läuft Robbie Williams. Wir entscheiden uns für Synchronschwimmen zur Einstimmung und arbeiten an der Choreographie.

Die Crew ist äusserst verständnisvoll. Sie kümmert sich ausgesprochen zuvorkommend um uns Schnorchler. Endlich erfahren wir die Aufmerksamkeit, die uns zusteht. So haben sie mich heute extra mit dem Zodiac zum Wrack abgeholt, in dem sich die Ts bereits tummeln.

Man sieht nur so wenig im Bluewater. Die Luftblasen brodeln nur so aus den Wrackluken. Wenn die Ts nett sind, lassen sie beim Austauchen auch schon mal ihre Luftduschen unter mir sprudeln. Tagesformabhängig - je nach Tauchgang. Auch Taucher haben so ihre Probleme und schlechten Tage.

Vielen Dank. Hilft nur nix. Für eine Wiedergutmachung ist es nun zu spät.

Jo trauert proaktiv noch etwas seinen entgangenen Taucherlebnissen voraus. Er braucht Zeit. Turtle hat extra Fruchtsalat für uns aus der Dose gefischt. Erneut Aufmerksamkeit, die wir genussvoll annehmen.

Passt man mal nicht auf, ist Valentin auch schon an den Turntables. Und schon hört man Reggae bis einem der Reggae die letzten verbliebenen Gehirnwindungen auch noch weichgespült hat und die Tapeten zu wabern beginnen. Als Betäubungsmittelbeauftragte kann ich nur davon abraten, will man sich nicht wundern, wenn mitten im Meer, quasi out of the blue, ein Leuchtturm auftaucht.

Nicht mein erster Urlaub mit Valentin und Reggaesoundtrack zur Reise. Wer den Deputy erschossen hat, ist mir schon seit Thailand egal. Von wiederholt familienfreundlichen Kinderprogramm-Findet Nemo-Schleifen kann ich ebenfalls getrost abraten. Weder Frühstück noch Abendessen reichen bis zum Filmende. Die ersten 37 Minuten - so lange brauche ich momentan durchschnittlich für ein Frühstück - spreche ich bei Bedarf synchron. Selbst Arielle ginge dir nach kurzer Zeit auf den Schnorchel. Soviel kann ich ebenfalls ungesehen versprechen. Lediglich Der Weisse Hai 1-15 Director’s Cuts könnten meine Misch-Miss-Stimmung erhellen.

07 — Holy. Holy.

Schnorcheln ist albern. Morgen lassen wir uns am Daedalus, das von den Tauchern heilig gesprochen wurde, mit ABC - mit was auch sonst - zum Schnorcheln aussetzen. Ich kanns ja verstehen - darin sind wir uns ausnahmsweise mal einig.

Soll die Schnorchler doch der heilige Longimanus fressen. Heute ist mir alles egal.

Viele der Taucher sind geradezu magisch fasziniert von dem Hochseehai. Ich kann nicht einschätzen, ob es an seiner Schönheit oder doch eher an dem Seltenheitswert liegt. Ich persönlich stehe auf Hammerheads. Nur Mondfische, die im Englischen übrigens Sun Fish heissen, und Seekühe, die im Lateinischen übrigens Sirenia heissen, könnten mich in noch grössere Verzückung versetzen. Den Walhai habe ich aufgegeben. Seekühe und Mondfische sind selten. Hammerheads schüchtern.

Jahre später lerne ich, dass ich meinem Glück eigentlich schon zum Greifen so nahe war, wie man seinem Glück nur nahe sein kann: Spezies der Sirenia sind auch hier um die Ecke in der kleinen Bucht von Marsa Murena anzutreffen. Dem Dugong so nah und doch so fern.

Als Schnorchler freut man sich eigentlich über so ziemlich alles. Mit Ausnahme von Pelagia noctiluca, den fiesen Feuerquallen. Schnorchler bieten eine grössere Angriffsfläche als die der Taucher. Das wissen die Viecher. Um sie zu verwirren, sollten wir auch Neoprens tragen. Als ich noch Taucher war, in einem früheren Leben also, war ich schon mehrmals am Elphinstone Reef tauchen. Es ist wirklich eines der beeindruckendsten Tauchgebiete, neben Raʾs Muḥammad, die ich kenne. Auch ich kann nur in Superlativen davon sprechen. Man legt sich in 40 Metern auf eins der Plateaus und wartet auf die Grossfische, falls man nicht von der Strömung weggeblasen wird. Hammerheads steigen nur kurz aus Neugierde auf und verschwinden wieder so schnell, wie sie gekommen sind in die Finsterheit der Tiefe.

Zweimal war mir das Glück am Elphinstone Reef jedoch nicht beschert. Einmal zog ich mir noch an Bord einen Bandscheibenvorfall zu, der meine Nervenbahnen quetschte und so meine Extremitäten ertauben liess. Fällt man dann noch vor Schmerzen in Ohnmacht ... schwups und man liegt schon in der Dekokammer. Danach war ich ohne Verlangens definitiv entsättigt. Ein andermal schwollen mir kurz vor Tauchgang nach Empfehlung einer Mittaucherin zu einer Spezialreinigung meiner Gehörgänge aus einer Hausapotheke ohne vorausgehenden Befund und Vorwarnung die Ohren so stark an, dass ich nicht einmal noch meinen eigenen Tinnitus hören konnte. Meine Perlenohrringe hatten sich solidarisch dazu auch gleich noch mitaufgelöst und sich grosszügig in die Ohrmuschel und den Gehörgang verteilt. Auch die Heimreise war in Gefahr. Ohne der Fähigkeit zum Druckausgleich im Flugzeug platzt einem der Schädel.

In dem von vor Anker liegenden und miteinander vertäuten Tauchbooten umsäumtem künstlich geschaffenen Beckens sorgen die Italiener vom Nachbarboot mit den drei Longimanus schnorchelnd für Aufregung. Die Haie interessieren sich mehr für Schnorchler und Wassersportler an der Wasseroberfläche denn für Taucher und U-Boote. Alte Taucherweisheit. Hat sich aber wohl noch nicht bis Italien durchgesprochen. Tja. Das Leben ist eben kein Dolphin Reef.

Wo wir gerade schon bei den Italienern sind: Das Raʾs Muḥammad, das dann wohl doch den Platz 1 meiner besten Tauchplätze anführt, wurde bereits 1983 zum Schutzgebiet ausgerufen. Als eines der Highlights quert man einen Graben, der auf 800 Meter abfällt. Trotz Schutzgebietes liegen hier nahezu mehr Tauchboote vor Anker, als der Platz an Wasseroberfläche bietet. Wer dort schon einmal getaucht hat, durfte wohl auch die Bekanntschaft mit George machen. Der Napoleonfisch mit seinen wohl stattlichen 200 Kilogramm ist neugierig und zutraulich. In seinem Leben, hat er viele Taucher kommen und gehen gesehen. Nun lebt er nicht mehr. Wie man hört, hat ihn ein Italiener aus purem Spass ohne Herz, Hirn und Verstand harpuniert.

Naturschutz wird entscheidend und hauptsächlich von Menschen getrieben. Dagegen sind auch staatliche Auflagen machtlos, wie dieses Beispiel eindringlich zeigt.

Trotz Pasta, Pizza und den weltbesten Espressi haben sich die Italiener ins von mir zertifizierte Aus gemeistert. "Tengo il resto. - Di niente."

Die angenehmste Zeit an Bord ist - wem sag ich das - die, wenn die meisten Ts im Wasser sind. Bei manchen Tauchern greift nun auch schon neben der Müdigkeit die exponentiell steigende Intervallzeit, die Zeit also, die man aussetzen muss aufgrund der durch die Tauchgänge angesammelten Stickstoffsättigung im Körper. Gerade kurz vor dem Heimflug ist keiner mehr im Wasser, um auch wirklich ausreichend entsättigt zu sein. Sonst droht einem in der Luft schon mal ein Dekotrauma.

Auf Haigeschichten können wir gut und gerne verzichten und kommen ihnen wunschträumerisch mit Bleigewichten bei. Blei first.

So, yeah!

08 — Wodka kann jeder.

01 Oct 2003 — Ohne Turtle wäre das Schnorchlerleben nur halb so schön. Wasser, wohin man auch blickt, selbst wenn man Land sehen könnte. Er hat ein sonniges Gemüt und zaubert aus einer Tiefkühltruhe gefüllt mit Hühnerschenkeln, Hühnerflügeln, Hühnerfilets noch immer leckeres Essen, selbst, wenn man H-U-H-N-n-i-c-h-t-m-e-h-r-b-u-c-h-s-t-a-b-i-e-r-e-n-m-ö-c-h-t-e.

Zwischendurch und gerade noch rechtzeitig vor einer Meuterei aus der Riege der Taucher hat unsere gemischte Töpfergruppe Turtle das Bereiten von Käsepätzle beigebracht. Nachdem ich nur in Knöpfchen kann, ziehe ich mich in die zweite Reihe der kleinen Kombüse zurück und lasse den Schabern den Vortritt.

Selbst Spätzle polarisieren. So, jetzt ist mein Schnittmengendiagramm definitiv überfordert und erschöpft. Der Einfachheit halber habe ich im Diagramm ja schon bereits meine Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht unterdrückt, was natürlich auch T7 stark und nachhaltig irritiert hat. Selbst ein Workshop könnte das jetzt nicht mehr retten. Einen Tod muss man sterben.

Zum Teufel damit. Streng genommen sind wir ja auch keine reinrassigen Schnorchler, sondern Schnaucher.

Warum keiner angelt, erschliesst sich mir nicht. Ich persönlich möchte keine Fledermausfische mehr locken. Kurz vor einer anderen C-u-r-r-y-R-e-i-s-H-U-H-N-Meuterei auf einem anderen Tauchboot auf den Malediven warfen wir auf meine Initiative hin - manchmal geht schon mal mein Curry-Huhn-Disharmoniepferd mit mir durch - die Angelhaken aus. Mein Haken war schnell wieder im Trockenen, als die ersten Fledermausfische gebissen hatten. Ausgerechnet. Meine geliebten Fledermausfische sind entweder selten kurzsichtig, selten hungrig oder einfach nur selten doof. Seitdem. Selten kurzsichtig und selten hungrig bin ich auch. Aus gegenwärtiger Sicht auch doof, da ich mit einem Taucher in Beziehung bin.

Direkt vom Grill schmecken sie leider herrlich. Einen Tod muss man sterben.

Wenn die Taucher im Wasser sind, bringt Turtle uns Schnorchlern immer kleine Überraschungen, wovon die Taucher natürlich nicht die blasseste Ahnung haben. Taucher haben natürlich ihre eigene Vorstellung von Zweiklassengesellschaft. Sie fühlen sich als die Herrenmenschen. Wir Schnorchler natürlich auch. Mit einem Unterschied: wir halten uns subtil bedeckt ob der Tatsachen und der daraus resultierenden Vorzüge. Heute gab es schon die Ankündigung auf etwas ganz Besonderes. Turtle macht es gerne spannend.

Als ich dann, um unseren Schnorchler-Bridge-Nachmittag vorzubereiten, in der Küche Zitronenscheiben anfrage, passiert es. Turtle schenkt mir als Zeichen seiner Freundschaft ein Armband mit zwei Halbmondpapageienfischaugenperlen. Im Arabischen schenkt man sich hin und her, was mich in eine Zwickmühle bringt.

Schnorchel würde ich ja liebend gerne verschenken ...

09 — Champion-Ships.

Unser Schnorchler-Bridge-Nachmittag war eine gelungene Veranstaltung. Wir wissen ja nicht, dass man für Bridge eigentlich 4 Spieler braucht. Nach einem Campari Soda-Empfang fand Bootsspringen statt. Dazu muss man wissen, dass Campari nicht auf ägyptischen Bäumen wächst und farbiger Alkohol nicht einfach zu schmuggeln ist. Dazu bedient man sich beim Zoll eines geschickt eingesetzten Manövers. Man muss lediglich bereit sein, eine von zwei 1,5 Liter-Getränkeflaschen zu opfern. Wodka kann jeder.

Zum Aufwärmen Kerze vom Oberdeck. Dann Oberoberdeck. Nun springen sogar die Russen vom Nachbarboot. Es war nicht ausgesprochen schwierig, sie dafür zu begeistern - bei unserer Show und Animationsleistung. Ein ganzes Boot voller Deko-Tauchrussen im Wodkaintervall liefert natürlich eine deutlich imposantere Show als 2 schnorchelnde Bridgespieler bei Campari Soda auf einem Tauchsafariboot. Russen schnorcheln nicht.

Als wir auch unseren Tauchern unsere eigentlich für Schnorchler exklusive Blue Planet-Welt-Rangliste im Bootsspringen 2003 öffnen, ergeben sich neue Platzierungen. Gemeinsam mit T1, Blei first und T7 bin ich mit einer Kerze vom O-O-Deck auf Platz 2. S2 ist auf Platz 3 abgefallen. 

Ich bin mit meiner Platzierung durchaus zufrieden. Der Hecht kann mich mal, seitdem ich irgendwann mal beim Sprung vom 5- oder etwa 3-Meter-Brett - ich möchte mich nicht festlegen - kurz vor der Wasseroberfläche ungeduldig meinen Hals überstreckte und dazu meine Augen öffnete. Ausserdem bietet es so ganz nebenbei auch die passende Gelegenheit, den Tauchern mal wieder das Gefühl der Bewunderung zuteil werden zu lassen und sie in Sicherheit zu wiegen. Taucher sind einfach zu durchschauen.

02 Oct 2003 — Heute hatten wir wieder einen herrlichen Schnorchlertag. Mit kleinen Albernheiten haben wir uns die Nachmittagsdepression vertrieben. Am neuen Ankerplatz habe ich nicht lange gebraucht, die Schlauchbootkapitäne der Nachbarn zum Salutieren zu bewegen. Respekt ist mittlerweile ausreichend vorhanden. Mit unseren klappt es proaktiv vorbildlich.

02 Oct 2003 \ 20:35 — Die Schnorchler trinken Jamaica-Rum-Pantsch: Schwarzer Rum, Wasser vom Hahn, Multivitaminbrausetablette. „Er sieht fast genauso aus.“ O-Ton Jo, der mit dem Barracuda tanzt, wie er selbst meint. Ich kann das nicht beurteilen, da ich an Land nie Cocktails trinke und zu Wasser nur als Schnorchler. Es ist mein erstes Mal.

Wer hat eigentlich den schwarzen Rum geschmuggelt?

10 — Nach dem Briefing ist vor dem Briefing.

03 Oct 2003 — Heute werden die Taucher durchnummeriert.

05:15 Wach. Aber auch nur, um nicht von T1 mit “Briiiiiiefing!” aus dem Schlaf gerissen zu werden. Man muss wissen, ich schlafe am Oberdeck in “Briiiiiiefing!”-Nähe. Immer einen Schritt voraus. Bravo.

Ich neige nicht zur Morgenmuffeligkeit. Hier wird es zur Herausforderung. Auch Sarkasmus macht sich in erschreckend grossen Schritten breit.

05:22 T7 ist endlich wach. Gleich gibt es Kaffee ans Schlaflager.

Darauf ist wenigstens noch Verlass. Er weiss sogar auch noch, wie ich meinen Kaffee bevorzugt trinke.

05:34 S2 ist dann auch mal wach. Zumindest gerade noch rechtzeitig vor dem “Briiiiiiefing!”.

Sonst würde ich mich noch einsamer fühlen.

05:36 Schnorchlerrevier in Sicht.

Die Begeisterung hält sich bedeckt. Was, wenn sich der Platz wieder als 'Krumme Tour' herausstellt.

05:40 Taucher-

“Briiiiiiefing!”.

Unsere Befürchtung scheint nicht von ungefähr. Wir Schnorchler werden hier wohl nicht auf unsere Kosten kommen.

05:45 Jesus lebt.

05:46 Konkurrenz in Sicht. Lady Sarah. Wettkampf der Taucher um den first jump in.

Orca geht in Führung.

05:48 Albert geht als 1. der Blue Planet in Führung und rettet dadurch die Ehre der Blue Planet. Streber.

05:51 T7 geht als 7. ins Wasser.

05:56 Schlauchbootkapitänsalut klappt.

05:57 S2 wünscht sich ein Neopren-Stirnband. Sind die nicht längst aus der Mode.
Oder: waren die überhaupt jemals. Habe ich einen Modetrend verpasst?

06:01 House keeping auch im Urlaub. Wolldeckenflamenco. Kissenrodeo.

06:24 Turtle hat von mir geträumt, will aber keine Details preisgeben.

06:27 Lawrence von Arabien, Seite 84-87.

06:36 Die Ruhe währt nicht lange und T7 steigt mit den anderen wieder aus dem Wasser. Unter den Ts herrscht mal wieder euphorische Stimmung: angeblich war "Alles da", als hätten die Viecher nur darauf gewartet, dass unsere Helden ins Wasser springen. Unter "alles" fallen natürlich auch Grauhais, Turtles, Barracudas und noch viel mehr Hai. Ich seh nur Mördermuschel, was so ziemlich genau meiner Stimmung entspricht.

Eigentlich möchten die Schnorchler nichts mehr mit den Tauchern zu tun haben. Lässt sich auf einem Boot nur schlecht abbilden. Beruhigt euch.

Sie beruhigen sich nicht.

S2 hat seine Wollmütze verschlampt. Wenn man mal nicht aufpasst ... Dem Himmel sei Dank - seine von tibetanischen Kinderhänden gehäkelte Mütze ist noch da.

Dafür scheint er ein frisches T-Shirt in seinem Gepäck entdeckt zu haben. Ich kann mich auch täuschen.

Nun zeigt T7 mir seine Shots von Manta und Hai auf meiner Digitalkamera mit meinem Unterwassergehäuse.

Ich sehe nur Trigger. Ich fühle mich erneut provoziert.

Gut, dass ich keine Doktorfische sehe. Das hätte mir gerade noch gefehlt.

Und, er liefert den vermeintlichen 'Beweis', dass auf 56,1 Metern, also bei knapp 7 bar, auf meinem, auf 40 Meter maximum geeichtem Unterwassergehäuse, noch Fotos ausgelöst werden können. Das Gehäuse und die Kamera darin sind ja nur meine ... Ich teile seine Freude nicht. Die Kluft zwischen uns wird grösser.

Seit wann taucht er eigentlich tiefer als 25 Meter?

Früher hätte er mich wohl kaum aus meinen 40 Metern - was mir auch den Nickname Black Coral bescherte - retten können, wenn mich einer meiner Sandaale gebissen hätte.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten, die diese Aufnahme erklären könnten:

                  • Entweder war sein Tauchcomputer im Tiefenrausch und zeigte wirres Zeug
                  • oder die Anzeige steht auf dem Kopf und es waren lediglich 19,5 Meter. 

06:50 S2 hat seine Mütze wieder.

Ich werde noch ein paar Seiten 'lesen', um mich äusserlich entspannt unbeeindruckt zu geben. Eigentlich verstecke ich mich nur unter meiner Mütze.

T1 hat sich immer noch nicht beruhigt. In einer Endlosschleife war noch immer "alles da. Manta, Haie, Barracudas, …". Die Rede ist auch von Haisuppe. Und das am Tag der Deutschen Einheit, an dem man sich nur uneinheitlicher denn je zuvor fühlen kann.

T1 provoziert weiter.

Jetzt nur nicht meine Mütze verlieren!

07:08 Breakfast. Es wurde auch Zeit. Frühstück gibt es natürlich erst, wenn die Taucher wieder aus dem Wasser sind.

Da helfen auch unsere ausserordentlich guten Beziehungen in die Kombüse nix.

Wir beugen uns dem Gruppenzwang.

07:21 Tisch 1 hat gierig das Buffet abgeräumt und ist schon wieder fertig, während ich noch darbe. Ich habe es gerade noch geschafft, mir das Nötigste abzugreifen. Meine durchschnittlich 37 Minuten sind noch nicht um. Auch Nemo irrt noch immer umher.

07:34 T7 reinigt mein Unterwassergehäuse. Nur der pure Egoismus kann ihn dazu angestiftet haben. Zweifelsfrei.

07:37 T1, der Dive Guide, will wieder ins Wasser „Hardcore-Tauchen“, wie er meint. Mir kann's nur recht sein.

“Briiiiiiefing!”

07:39 T1 verdächtigt die Schnorchler wegen vermisster “Briiiiiiefing!”-Mappe, als hätten wir. Kann man dieses Wort nicht auch anders aussprechen? Es scheint sich um einen gängigen Sprachfehler bei T1s zu handeln.

Wir haben lediglich das White Board um ein Schnorchlerbriefing erweitert. Wir beteuern unser ernsthaftes Interesse.

Er versteht keinen 'Spass'.

07:50 T7 nervt erneut mit Unterwasserfotos auf meiner Digitalkamera. Darunter ein Foto, das mich beim Schnorcheln von schräg unten zeigt. Witzisch.

Heute verstehen Schnorchler wirklich keinen Spass.

08:03 Die Ts verhandeln um den nächsten Spot. Mir ist aufgefallen, ich bin noch oder schon wieder im Pyjama. Das wäre auch wahrscheinlich sonst niemandem aufgefallen, nicht zuletzt aus Ignoranz. Ich hab ja selbst so meine Schwierigkeiten mit dem Schnorchler-Tauchsafari-Dresscode. Ich rufe den Casual Friday aus. 

Die Ts haben überraschend Auftrag an die KS (Kampfschnorchler) erteilt, den Wettbewerb auszuschalten. Jetzt auf einmal würden sie sich dann doch an uns erinnern. Es scheint sich wirklich um eine absolute Notsituation zu handeln. Sea Fun steht allerdings bereits auf der KS-Liste, da der dazugehörige Schlauchbootkapitän meinen Salut nicht erwidert.

Habili ist übrigens ein SSP (ScheissSchnorchelPlatz).  Auch habe ich es aufgegeben, einem bisher unentdecktem Meeresoberflächenbewohners meinen Namen zu verpassen. Ich dachte an Blue Funk, was soviel bedeutet, wie Schiss zu haben. Weil sie Schiss haben, tiefer zu tauchen, leben sie eben an der Wasseroberfläche. Es ist wohl davon auszugehen, dass hier inmitten des Bluewaters noch niemand geschnorchelt habenhabenhaben wird. So wäre also meine Chance ungleich höher.

Mir ist heute schon wieder so dekadent. Doch plötzlich bringt Sea Fun Abwechslung in die Situation. Huporgasmus als sie Delphine entdecken. Um zu hupen, müssten bei uns schon somalische Piraten vorbeischauen.

Die haben Probleme.

08:07 Ich fühle mich von der Gesellschaft ausgeschlossen. In einem von T7 unbemerktem Moment schnappe ich mir meine Kamera und erfinde das Selfie.

Ich erkenne mich kaum selbst wieder. Die Tage hinterlassen ihre Spuren.

08:46 Schnorchler-Brainstorming.

08:57 Der Tag nimmt eine Wendung. S2 organisiert zwei Dosen Sakara.

08:58 T7 + S2 entdecken vermeintlich Turtle beim Schnorcheln im Rettungsring. Das bringt ihm den Titel KS3 ein. Alarm im restlichen Schnorchlerlager.

T7 ermuntert mich zum Unterwasserfoto von KS3. Ich stelle indessen unter Wasser fest, dass es sich nur um einen Fehlalarm gehandelt haben kann.

S2 verliert ein Glas seiner Tauchermaske.

Welch Schnorchlerschicksal.

09:40 Die Ts sind wieder im Wasser. Die Situation am O-Deck entspannt sich entscheidend.

09:55 S2 interpretiert Titanic neu.

Phew! Ich muss dringend meine Zitronenlimettenmagnesiumbrausetabletten absetzen, bevor ich in die Zivilisation zurückkehre:

Eisberge in Sicht.

11 — Tag der Deutschen Einheit aus Sicht von S2:

05:34 God damn f.ck‘n briefing. Erstmal den Stinkefinger in die Linse gezeigt + dann mal wieder Pogo geweckt.

Ca 05:51 Endlich wieder Ruhe! Die rote Grazie aus dem Orca-Boot kommt nicht im geringsten an unsere DEKADENZ ran, trotz Neopren-Stirnband. Da muss sie schon noch üben ….

08:56 Erster Lichtblick mit ner Dose Sakara und kurz drauf wieder diese endlosen Schwärmereien über solche Banalitäten wie Meeresflora oder –fauna, mir langweilt es gewaltig (Grammatikalischer Hammerhead).

15:30 Alles schläft und ich kann meine Sinne von ‚Durchzug‘ deshalb wieder auf ‚Konsum‘ stellen, ohne nur noch Haie und Rochen vor dem geistigen Auge zu haben.

5,5 h Schifffahrt sind das einzige, was noch langweiliger ist als Schnorcheln. Leider ist die Sea Fun schon weg. Damit auch die letzte Gelegenheit, ein Boot zu versenken.

17:20 Kurz vorm Abendessen habe ich meine einseitige Erblindung unter Wasser mit nem zweiten Sakara verarbeitet.

19:00 Abendessen, noch'n H2O und dann husch husch ins Bett um den Tag – die Nationalhymne schnarchend – zu vergessen …

_______

Meine Rede.

12 — Tag der Deutschen Einheit aus Sicht von T5:

Wie jeden Morgen hatte ich auch heute wieder meinen obligatorischen Auftritt: Ich kam wieder als Letzter zum Briefing.

TG 1: Small Habili, St. John

06:00 Zuerst begrüssten uns 2 Weissspitzenriffhaie. Eine Muräne war auch schon wach. Dann gab es ein weiteres Highlight der Safari. Mein erster Manta tauchte aus dem tiefen Blau auf. Gigantischer Anblick, wie er so majestätisch durchs Wasser schwebt. Am Ende begleitete uns noch eine Schildkröte, die sich dann in eine Höhle legte.

TG 2: Small Habili, St. John

10:00 Gleich am Anfang des TG gab es wieder 2 WSRH. Als ich auf 42 m war und wieder am Aufstieg war, mussten wir gegen die Strömung kämpfen.

TG 3: Dolphin Reef, Nachttauchgang

18:00 Eine Muräne streckte ihr riesiges Maul aus einer Höhle und war nicht begeistert, als ich sie mit der Lampe anleuchtete. Ein Sepia kroch durch den Sand und zog sich dann ganz gemütlich in eine Höhle zurück. Diese Krakentiere gehören zu meinen Lieblingstieren. Irgendwie finde ich diese Tiere wahnsinnig interessant. Am Ende entdeckte ich noch eine Garnelenhöhle. Nach 55 min war dieser Tauchgang auch zu Ende. Wieder lohnenswert gewesen!

Der Tag bestand zu grossen Teilen aus den Komponenten

  • Tauchen
  • Essen
  • Schlafen
  • Trinken

Die Party läuft heute etwas zäh an, aber das könnte sich ja noch ändern …

_______

Was soll man dazu noch sagen.

13 — Tag der Deutschen Einheit aus Sicht von T4:

- Impressionen am Rocky Island, Egypt –

Dive I 05:30

Nachdem ich mit einem zärtlichen* „Briefing“ geweckt wurde, ging es Schlag auf Schlag. 10 min nach dem Aufstehen war ich bereits auf dem Zodiak. Dann ab auf 30 m. In der Morgendämmerung war zunächst nicht viel zu sehen. Plötzlich tauchte ein Weissspitzen-Riffhai vor uns auf. Der Tauchgang war gerettet. Später noch ein kleinerer Weissspitzen-Riffhai. Am Ende sagte ich noch einer Muräne „Guten Morgen“ und schon ging es schon wieder zum Schiff.

Dive II 10:00

Kurz nach dem Abtauchen war es endlich soweit. Es hat bis zum 87. Dive gedauert, bis ich dieses Ereignis erleben durfte: 2 spielende oder scherzende Delfine schwimmen an uns vorbei. – Genial – Dann noch sehr viele Fische jeglicher Art und tolles Licht.

Hoffe, das du dieses Erlebnis auch bald wieder hast : – )

– Thorsten –

_______

* Welche Pillen nimmt der denn. Sarkasmus?

Was soll man dazu noch sagen. Ausser, dass man als Schnorchler während einer Tauchsafari nicht seinen 100sten Tauchgang taucht. Darauf und die Tauchertaufe muss ich noch ein Jahr warten. Hallo?!

Mein Logbuch ist zumindest schon in seinen 90ern.

14 — Der Zweck heiligt die Mittel.

Oct 07, 2003 \ 16:07 — Wir sind schon wieder seit Stunden auf Überfahrt. Wie S2 und und ich schon so treffend formulierten: Es gibt nichts Langweiligeres als Schnorcheln ausser Überfahrt. Für Taucher ist Überfahrt das einzig Langweilige. Die sollten ruhig mal schnorcheln. Sollte ich jemals wieder eine Schnorcheltauchsafari antreten, darf eine UW-Mine ob des Unterhaltungswertes und Spannungsbogens im Gepäck nicht fehlen.

Sea Fun blieb unser ständiger Begleiter. Nun scheiden sich aber endgültig unsere Wege. Die Zeichen der Vorbereitung weisen eindeutig darauf hin. Wie wir jedoch seit dem letzten Ankerplatz wissen, zum Leidwesen unseres T1. Für den Büffelkopfpapageienfisch müssen wir uns jetzt ein neues UW-Zeichen einfallen lassen. Das alte haben haben wir neu für horny belegt.

Die Sea Fun-T1in und unser T1 haben sich während der gesamten Ankerplatzzeit ein Werbungsritual geliefert, das Prof. Dr. Sielmann zu einer wissenschaftlichen Studie über das Werbungsverhalten von paarungsbereiten Humanus Africa Scuba Instructus hätte angeregt.

Doch, nach 10 Minuten post Ablegezeit war alles gesagt. Dekobier gab es heute um zirka 08:57 nach einem ausgiebigen Schnorchelgang nach einer anfangs nicht ganz freiwilligen T1-Bereitschaft zum gemeinsamem TS-Briefing am OO-Deck zum “dive spot with baby shark guarantee”.

Klar.

15 -- Ach.

Ich überlege,

  • meinen Schnorchel zu verbrennen, sobald ich von Bord gehe.
  • mir einen Schnorchel mit Ausblasventil zuzulegen.
  • meine Tauchausrüstung bei Sotheby‘s versteigern zu lassen.
  • mit S2 zusammen eine exklusive Schnorchelsafari im Vollcharter zu zweit zu buchen.
  • mich von T7 zu trennen, da er Taucher ist.
  • mit S2 zusammen einen Schnorchlerführer für Tauchplätze im Roten Meer herauszugeben.
  • ab wann es gesundheitsschädlich ist, den Harndrang zu unterdrücken.
  • was noch dekadenter wäre als dieser Urlaub.
  • oder meine Tauchausrüstung an Bedürftige zu verschenken.

To Dos:

  • Seiltanzend die Deutschlandhymne singen. Strophe 1, 2, 3. Problem: S2 kann nur Strophe 1. Ich singe nicht.
  • No women no cry umschreiben auf No divers no cry.
  • Unterhaltungsangebotsempfehlungen für Tauchboote mit Schnorchlern herausgeben.
  • Makrameeknüpfen.
  • Deutschland-Fahne aus den Fäden von Zodiac-Bugschutzen häkeln oder Ägyptenfahne umnähen.
  • Neue Zodiac-Bugschutzen häkeln.
  • Schlauchboot-Race á la Jenseits von Eden, denn die Erde ist eine Scheibe.
  • Schnauchler-Cocktail-Führer herausgeben.
  • Einer neuen Spezies von Wasseroberflächenbewohnern den Namen Blue Funk verpassen, trotz und obwohl ich es ja bereits aufgegeben habe.

Post Scriptum

Achtung Spoiler: nachdem wohl davon ausgegangen werden kann, dass Nemo schlussendlich unversehrt gefunden wurde — denn wir wissen es nicht — hier noch eine kleine Auswahl an sehenswerten Filmen über die Einmaligkeit unserer Ozeane und unserer Erde, die mich nach wie vor von Anfang bis Ende immer wieder zu begeistern vermögen auch in ihrer Konsequenz, dieses Wunder zu schützen:

Deep Blue

Regisseur / directed by Andy Byat & Alastair Fothergill


Foto / Photo: auf Kino.de

Mehr als zwei Drittel der Erde sind von Wasser bedeckt und trotzdem wissen wir mehr über die Oberfläche des Mondes als über die Tiefen unserer Weltmeere. Deep Blue präsentiert eines der letzten großen Geheimnisse unseres Planeten – die Welt der Ozeane. Die Reise führt von flachen Korallenriffen über die unwirtlichen Küsten der Antarktis in die Weiten des offenen Meeres bis hin zu den tiefsten Tiefen der Ozeane in die ewige Dunkelheit. Spektakuläre Aufnahmen von tanzenden Delphinen, jagenden Haien und Walen wechseln zu fischenden Eisbären und riesigen Armeen von Krabben, die über den Strand rasen:
Zitat / quotation: Kino.de.

 

Projekt Home 2009

Regisseur / directed by Yann Arthus-Bertrand


Foto / Photo: Project Home 2009

"Wir leben in einer alles-entscheidenden Zeit.
Wissenschaftler sagen uns, wir hätten nur 10 Jahre um unsere Lebensweise zu ändern, um das Aufzehren von Rohstoffen zu verhindern und um eine katastrophale Entwicklung des Weltklimas zu verhindern.
Jeder Einzelne muss an dieser gemeinsamen Anstrengung teilnehmen."
Zitat / quotation: Yann Arthus-Bertrand

Planet Ocean

Regisseur / directed by Yann Arthus-Bertrand & Michael Pitiot


Foto / Photo: Yann Arthus-Bertrand and Michael Pitiot

Can we imagine a film that would change the way people look at the ocean? Can we explain simply, to everyone, the greatest natural mystery of our planet? And lastly, can we help our children believe in a better and more sustainable world tomorrow?
Zitat / quotation: yannarthusbertrand.org/en/

Sharkwater

Regisseur / directed by Rob Stewart


Foto / Photo: sharkwater.de

Der faszinierende, in atemberaubend schöne Bilder umgesetzte Film Sharkwater ist weit mehr als nur eine qualitativ herausragende Dokumentation. Regisseur Rob Stewart, Fotograf, Taucher und passionierter Hai-Kenner, wollte mit den Vorurteilen gegenüber Haien aufräumen und zeigt in berauschenden Aufnahmen diese außergewöhnlichen und vollkommen friedlichen Tiere in ihrem zunehmend eingeschränkten, bedrohten Lebensraum.
Zitat / quotation: Rob Stewart, sharkwater.de

Revolution

Regisseur / directed by: Rob Stewart


Foto / Photo: therevolutionmovie.com/

Revolution is a feature documentary about opening your eyes, changing the world and fighting for something. A true life adventure following director Rob Stewart in the follow up to his smash hit Sharkwater, Revolution is an epic adventure into the evolution of life on earth and the revolution to save us.
Discovering that there’s more in jeopardy than sharks, Stewart uncovers a grave secret threatening our own survival as a species, and embarks on a life-threatening adventure through 4 years and 15 countries into the greatest battle ever waged.
Bringing you some of the most incredible wildlife spectacles ever recorded, audiences are brought face to face with sharks and cuddly lemurs, into the microscopic world of the pygmy seahorse, and on the hunt with the deadly flamboyant cuttlefish. From the coral reefs in Papua New Guinea to the rainforests in Madagascar, Stewart reveals that all of our actions are interconnected.
Zitat / quotation: Rob Stewart, therevolution.com